Plausibel. Dringend. Gefährlich:
Wie Phishing den Reisevertrieb unter Druck setzt - und wie wir handlungsfähig bleiben
Wie gefährlich ist Phishing? Und wie kann man sich davor schützen?
Phishing-Angriffe wirken längst nicht mehr plump oder offensichtlich. Oft kommen sie als scheinbar normale Anfrage, dringende Buchungsänderung, vertraute Nachricht oder wichtige Zahlungsinformation. Genau deshalb sind sie im Reisevertrieb besonders gefährlich: Sie treffen auf Hilfsbereitschaft, Zeitdruck und viele digitale Schnittstellen.
Maureen Erven von team neusta hat in der ReiseZukunft Impulsveranstaltung „Plausibel. Dringend. Gefährlich. Wie Phishing den Reisevertrieb unter Druck setzt – und wie wir handlungsfähig bleiben“ veranschaulicht, wie Phishing im Arbeitsalltag funktioniert, welche psychologischen Muster dahinterstehen und woran kritische Situationen frühzeitig erkennbar werden. Anhand praxisnaher Beispiele geht es darum, nicht in Panik zu verfallen, sondern handlungsfähig zu bleiben – Kurz stoppen, richtig prüfen und im Zweifel sicher reagieren.
Was ist Phishing?
Phishing ist Teil von Social Engineering. Dabei geht es um die Beeinflussung von Menschen mit dem Ziel, sie zu bestimmten Verhaltensweisen zu veranlassen – häufig in unlauterer Absicht. Phishing kann über verschiedene Kanäle erfolgen: E-Mail, Chat, Telefon oder sogar persönlich.
Fokusthema E-Mail: Es geht um die Beeinflussung von Menschen und die Grenzen der Technik. Phishing-Mails sehen echten E-Mails sehr ähnlich. Obwohl technische Lösungen existieren, die Phishing E-Mails filtern und als Spam markieren, wird es auch für diese immer schwieriger Phishing Mails zu erkennen und vollständig herauszufiltern.
Welche psychologischen Aspekte nutzen Angreifer?
Phishing funktioniert vor allem deshalb, weil Angreifer gezielt normale menschliche Eigenschaften ausnutzen:
Ein zentraler Hebel ist die Erzeugung von Zeitdruck und Dringlichkeit. Unter Zeitdruck reagieren Menschen häufig weniger kritisch und treffen voreilige Entscheidungen, die zu unüberlegten Handlungen führen können. Diese menschliche Reaktion nutzen Betrüger gezielt aus, beispielsweise durch E-Mail-Betreffzeilen wie: „Dringend: Ihre Buchung wird innerhalb von 24 Stunden storniert.“ Als Begründung wird etwa angegeben, dass die Zahlung noch nicht bestätigt worden sei.
Durch die rasante Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz ist es zudem möglich, auch mit geringen Vorkenntnissen schnell Quellcode, Texte und Bilder für Phishing-E-Mails zu erstellen. Dadurch steigt nicht nur die Anzahl solcher Nachrichten, sondern auch ihre Qualität: Phishing-E-Mails wirken zunehmend professionell und authentisch.
Neben dem Zeitdruck spielt die Hilfsbereitschaft und das Verantwortungsgefühl eine große Rolle. Gerade in serviceorientierten Berufen wie der Reisebranche ist Hilfsbereitschaft Teil der professionellen Identität – und genau daran setzen Angreifer an.
Besonders tückisch wird es, wenn Routine und Pflichtgefühl ins Spiel kommen: Eine Phishing-Mail ist dann erfolgreich, wenn sie wie ein völlig normaler Arbeitsvorgang wirkt und gar nicht erst Misstrauen weckt. Deshalb der Praxis-Tipp, im Zweifel immer über einen Link zu hovern und ihn zu prüfen, bevor man klickt. Denn praktisch alles im inhaltlichen Textteil einer E-Mail lässt sich fälschen – die dahinterliegende Adresse verrät oft mehr als der sichtbare Text.
Hinter einem solchen Link verbirgt sich in der Regel eines von drei Zielen: die Aufforderung, geheime Informationen wie Benutzername, Passwort oder Kreditkartendaten einzugeben, das Herunterladen von Malware (etwa getarnt als Word-Dokument) oder das Ausführen von .exe-Dateien. Dass Hacker dabei mittlerweile wie gut organisierte Unternehmen agieren, unterstreicht, wie professionell diese Angriffe geworden sind.
Ein weiterer Ansatzpunkt ist das Vertrauen: Reisende bringen Reiseanbietern häufig ein hohes Maß an Vertrauen entgegen. Von dem Denkmuster „Wer über diese Informationen verfügt, muss legitim sein“ sollten wir uns jedoch verabschieden.
Darüber hinaus nutzen Angreifer gezielt Autorität und Hierarchien aus, etwa durch Nachrichten wie: „Ich bin gerade in einem Meeting. Die Überweisung muss sofort raus. Bitte schnell darum kümmern.“ Auch kognitive Überlastung spielt eine wichtige Rolle: Unter hoher Arbeitsbelastung neigen Menschen dazu, schneller zu entscheiden und auf vertraute Handlungsmuster zurückzugreifen. Dieses Verhalten kalkulieren Angreifer bewusst ein.
Wie geht man nun mit Phishing Mails um?
Das wichtigste Grundprinzip ist kurz stoppen, richtig prüfen und im Zweifel sicher reagieren.
Checkliste: Wie schütze ich mich?
Um sich vor Phishing-Mails zu schützen, gilt es die Grundeinstellung, dass E-Mails grundsätzlich vertrauenswürdig sind, nicht mehr gilt. Die folgenden Fragen helfen dabei, verdächtige E-Mails systematisch zu prüfen:
Kenne ich den Absender?
Wie sieht die dahinterliegende Adresse aus? Stimmt der Kontext?
Erwarte ich die E-Mail?
Hat der Text eine angemessene Qualität? (Fehler im Text, ungewohnte Wortwahl, z. B. bei der Grußformel)
Werde ich im Text unter Druck gesetzt?
Enthält die E-Mail Links? Wie sehen diese aus? Stimmt der Kontext?
Wird ein Login eingefordert? War ich schon eingeloggt und bin es jetzt plötzlich nicht mehr?
Je mehr dieser Punkte auffällig sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen Betrugsversuch handelt. Oft ist es nicht ein einzelnes Merkmal, sondern das Zusammenspiel mehrerer Faktoren, das eine Phishing-Mail entlarvt.
Fazit: Es gibt mehrere Faktoren, an denen man eine Phishing-Mail erkennt und dadurch kann man ein Bauchgefühl dafür entwickeln.
Was unternehme ich, wenn ich mir unsicher bin?
Nicht immer lässt sich auf den ersten Blick eindeutig sagen, ob eine E-Mail echt oder gefälscht ist. In solchen Zweifelsfällen gilt: Lieber einmal zu vorsichtig als einmal zu leichtgläubig. Folgende Handlungsmöglichkeiten haben sich bewährt:
- Die E-Mail ignorieren oder löschen.
- Das Wissen mit KollegInnen und dem Netzwerk teilen.
- Ggf. nachfragen – („Hast du mir gerade eine Mail geschickt?“ telefonisch oder per Team-Chat erfragen). Am sichersten ist es, beim angeblichen Absender über einen anderen Kommunikationsweg nachzufragen.
- Nicht auf E-Mail-Links klicken – stattdessen direkt im Browser die Website selbst aufrufen und dort einloggen. Das ist deutlich sicherer.
Der entscheidende Grundsatz dabei: Im Zweifel lieber nachfragen und einen kurzen Moment investieren, als vorschnell zu handeln. Eine Rückfrage über einen zweiten Kanal kostet nur wenig Zeit, kann aber großen Schaden verhindern.
Opfer eines Phishing-Angriffs geworden – was tun?
Selbst vorsichtige und erfahrene Personen können auf einen gut gemachten Angriff hereinfallen. Sollte das passieren, ist schnelles und besonnenes Handeln gefragt, um den möglichen Schaden zu begrenzen:
Ruhe bewahren und kurz notieren, was passiert ist.
Hilfe suchen (bei KollegInnen/Chef).
Eventuell angegebene sensible Informationen ändern und Konten sperren (z. B. Kreditkartendaten).
Anbieter über den Betrug informieren.
Wichtig ist, den Vorfall nicht zu verschweigen, sondern offen damit umzugehen – nur so kann rechtzeitig gegengesteuert werden. Niemand muss sich schämen, Opfer eines Cyberangriffs geworden zu sein. Diese Angriffe sind sehr perfide und werden immer besser – gerade im Hinblick auf die KI-Entwicklung.
Q&A
Die geeignete Vorgehensweise hängt vom jeweiligen Kontext ab. Bei E-Mails sollte zunächst die Absenderadresse sorgfältig überprüft werden. Bevor Dateien heruntergeladen oder geöffnet werden, empfiehlt es sich, die betreffende Person über einen separaten Kommunikationsweg zu kontaktieren und um ein kurzes Telefonat zu bitten. So lässt sich die Identität besser einschätzen und eine entsprechende Checkliste systematisch durchgehen.
Bei Word-Dokumenten kann darum gebeten werden, die Datei stattdessen als PDF zu senden und auf eingebettete Links zu verzichten. Grundsätzlich bleibt die Einschätzung jedoch schwierig, weshalb bei Unsicherheit besondere Vorsicht geboten ist.
Das ist zunächst nicht weiter problematisch. Durch eine Antwort wird lediglich bestätigt, dass die eigene E-Mail-Adresse existiert und aktiv genutzt wird – in vielen Fällen ist dies dem Angreifer jedoch bereits bekannt. Grundsätzlich sollte auf verdächtige Nachrichten dennoch nicht geantwortet werden.
Nicht den Link aus der Mail anklicken. Stattdessen die Website direkt im Browser öffnen und das Passwort dort proaktiv ändern.
War die E-Mail legitim, könnte lediglich ein Darstellungsproblem vorliegen. In diesem Fall wäre es sinnvoll, eine neue Nachricht aufzusetzen und erneut zu versenden. Insgesamt deutet dies eher auf ein technisches als auf ein sicherheitsrelevantes Problem hin.
Ein konkreter Sicherheitsfall wäre hingegen folgendes Beispiel: Eine Rechnung wurde als PDF in eine neue E-Mail an einen Kunden eingefügt. Beim Empfänger kam eine nahezu identische Version an, die jedoch eine andere Bankverbindung enthielt. Der Kunde überwies daraufhin den Betrag auf das falsche Konto.
Ein solcher Vorfall spricht weniger für klassisches Phishing als vielmehr für einen möglichen Man-in-the-Middle-Angriff, bei dem Informationen während der Übertragung abgefangen und verändert wurden. Ohne weitere technische Details lässt sich der Fall jedoch nur schwer abschließend bewerten.
Das Öffnen von Phishing-Mails ist nicht problematisch. Besonders wichtig ist es, Links nicht ungeprüft anzuklicken.
Screenshot machen, mit dem Netzwerk teilen, Leute informieren – danach löschen und ggf. als Phishing melden.
Dieses Vorgehen ist grundsätzlich möglich, da sich die Datei zunächst auf einem externen Speichermedium und nicht direkt auf dem Rechner befindet. Anschließend sollte sie erneut mit dem eigenen Antivirenprogramm überprüft werden.
Wichtig ist, dabei keine Demo- oder Testversion zu verwenden, sondern eine lizenzierte und vollständig aktualisierte Sicherheitssoftware.
Ein klassisches Szenario ist ein Sicherheitsvorfall bei einem Anbieter, bei dem sensible Daten verloren gehen oder entwendet werden. Häufig bemerken die betroffenen Unternehmen den Vorfall nicht sofort. Die gestohlenen Datensätze werden anschließend teilweise im Darknet zum Verkauf angeboten. Auf diese Weise können Kriminelle sehr schnell auf umfangreiche Informationspakete zugreifen, was ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt.
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